Mittwoch, 16 August 2017 11:43

Ein Sonderbericht über ein echtes Abenteuer

Kurz vor Einbruch der Nacht gegen 21.30 Uhr versammelten sich die Gruppen von Tine und Marion, um von unseren Kleinbussen in die Garrigue gefahren zu werden. Mit dabei war auch Niklas aus der Gruppe Daniel. Gelegentlich fielen ein paar Tröpfchen aus den Wolken, aber die störten nicht.

Gut ausgerüstet mit festen Schuhen und Marschgepäck wurde die fast zwanzigköpfige Gruppe von einem erfahrenen Tourenleiter angeführt, der schon seit über dreißig Jahren Menschengruppen die einmalige Natur der Region näherbringt.

Nach einem kurzen Marsch durch den Buschwald der Provence mit seinen intensiven und manchmal auch geheimnisvollen Gerüchen stiegen die abenteuerhungrigen Teilnehmer mit ihren Leiterinnen in die Loubyschlucht, einem Seitencanyon der Ardeche, hinab. Es war stockdunkel. Taschenlampen durften nicht benutzt werden. Langsam gewöhnten sich die Augen an die Dunkelheit dieser außergewöhnlich tiefschwarzen Nacht. Kein Mond und keine Sterne waren zu sehen. Die dichte Wolkendecke erzeugte eine schon knisternde Spannung unter den Teilnehmern. 

Über schmale Pfade, die nur ein Gehen im Gänsemarsch zuließen, wurde es immer abenteuerlicher. An teilweise vierzig Meter steil abfallenden Felshängen stapfte die Gruppe leise und konzentriert dem Abenteuer entgegen. Die erste kritische Stelle, an der eine Felswand hinuntergeklettert werden musste, wurde mit großer Anstrengung wunderbar gemeistert. Die Teilnehmer gaben sich gegenseitige Hilfestellung, so dass die Ardecheschlucht sicher erreicht wurde. Glücklich und zufrieden wurde eine erste Pause eingelegt, die auch nötig war.

Die Wolkendecke riss ein wenig auf und im Canyon wurde es heller. So konnten die Nachtwanderer den recht anspruchsvollen Weg über kleine und große Felsen und vorbei an teilweise gefährlichen Abhängen sicher meistern. Einzelne Sternbilder wie den Großen Wagen und die Kassiopeia konnte man gut erkennen. Die Gruppe war zufrieden.

Kurz vor der schwierigsten Stelle in der Schlucht geschah dann das Unerwartete. Blitze zuckten vom Himmel und ein Gewitterregen durchnässte die Mädchen, die nun immer ängstlicher wurden. In der nassen und sehr rutschigen Felswand hängend liefen Bäche von Tränen in die Ardeche - und es wurde noch rutschiger.

Mit äußerster Anstrengung konnte diese Gefahrenstelle mitten in der Nacht ohne Taschenlampen doch noch bezwungen werden. Gegenseitiges Vertrauen und totale Konzentration sorgten dafür, dass diese schon tagsüber bei schönstem Wetter gefährliche Stelle geschafft werden konnte. Ein Zurück wäre auch nicht gefahrloser gewesen. Einzige Alternative wäre der weitere Abstieg bis ins Wasser. Mit voller Montur hätte dann die etwa vierzig Meter lange und steile Felswand umschwommen werden müssen. 

Weit nach Mitternacht erreichte die Gruppe dann überglücklich die Höhle unterhalb des Felsens Ranc Pointu. Hier wurden dann die Taschenlampen angeschaltet und Fledermäuse aufgescheucht. Der Rest des Weges war nun ein Kinderspiel, obwohl noch viel geklettert werden musste. Die durch den Gewitterregen rutschigen Felsen trockneten sehr schnell wieder ab.

Als die Gruppe aus der Schlucht rauskam und die ersten Lichter des Felsendorfes Aigueze sichtbar wurden, war die Erleichterung förmlich zu spüren. Müde und glücklich, dieses echte Abenteuer überstanden zu haben, fielen die Kinder dann nach Erreichen des Camps in einen wohlverdienten und erholsamen Schlaf. Die Kirchturmuhr des Dorfes schlug 2.30 Uhr. 

Das war eine wahrhaft außergewöhnliche Leistung der Mädels, die nicht getoppt werden kann. Niemals! Und von wem auch?

Das jüngste Mädchen dieser Gruppe war übrigens erst zehn Jahre alt...

 

Letzte Änderung am Mittwoch, 30 August 2017 23:27
   
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