Dienstag, 12 September 2017 19:41

Tourenberichte 11. September 2017

Am Montagmorgen fuhr ich bei allerschönstem Wetter nach Sauze, einem Weiler am Ausgang der Ardecheschlucht, der zu St. Martin d'Ardeche gehört. Da es sich für ein paar Meter nicht lohnt, den Diesel anzuwerfen, fuhr ich mit dem Rad dorthin. Der leichte Anstieg war anstrengend. Ich war schon durch und durch nass geschwitzt, bevor ich in Sauze ankam. Ja, die vielen Pfunde. Als unser Pastor Verhülsdonk in meinem Alter war, hatte er noch nicht mal die kleinste Schweißperle auf seiner Stirn...

In Sauze angekommen, wurde ordnungsgemäß das Fahrrad abgeschlossen und dann ging es zu Fuß in die Schlucht hinein. Als ich unter dem Aussichtsturm von Ranc Pointu ankam, musste ich an die Nachtwanderung bei Donner, Blitz und Regen denken, die die Gruppen von Marion und Tine mit mir durchstehen mussen. Der Sonderbericht über diese Tour ist ebenfalls im Blog nachzulesen. Das war eine heiße Nummer...

Weiter ging es an Camping Les Grottes vorbei durch die enge Höhle, die ich den Supergirls von Gruppe Lena in der 1. Hälfte zeigte. Diese ungefähr nur sechs Meter lange Höhle ist an der engsten Stelle nur 42 Zentimeter breit. Ich kenne nur ganz ganz wenige Menschen, die jemals durch dieses Loch gekrochen sind. Langsam wird es in meinem Alter ja auch Zeit, seinen Nachfolgern das ganze Wissen über die vielen Geheimnisse der Ardechschlucht mitzuteilen, damit die Menschen, die später mal als Leiter mitfahren, es ebenso machen. 

Das Felsplateau hinter der Höhle war auch mein Ziel. Hier musste ich hin, weil ich mich mit einem alten Ziegenbock aussprechen wollte. Zur Vorgeschichte:

Gruppe Lena stieg am 31. Juli frühmorgens bei Les Crottes in der Nähe von Labastide de Virac in die Ardecheschlucht ein, um die schönsten Teilstrecken des Canyons zu begehen. Ich wollte der Gruppe eine ihnen noch nicht bekannte kurze, für meine Verhältnisse auch äußerst enge Höhle zeigen. Schwarze Löcher haben auf mich eine magische Anziehungskraft. Wenn ich der Meinung bin, dass mein massiger Körper da durch passt, muss ich rein. Nur ganz selten bin ich steckengeblieben, so dass man mich an den Füßen wieder rausziehen musste...

Da ich noch Zeit hatte, bis Lena mit ihren Mädels dort auftauchen würde, legte ich mich unter einen Felsvorsprung in den Schatten und schlief ein. Meine Tasche mit Obst und Wasser lag unter meinem Kopf. Urplötzlich verspürte ich einen starken, wirklich sehr schmerzhaften Schlag in meiner Seite, Ein Ziegenbock attackierte mich mit seinen langen und spitzen Hörnern. Ich war sofort hellwach und erkannte die Gefahr. Vier oder fünf harte Schläge ließ ich auf den Bock niederprasseln. Dieses Schlaggewitter nutzte nichts. Ich suchte das Weite. Aus sicherer Entfernung beobachtete ich dann, wie das übelriechende Tier mein Obst aus der Tasche fraß. Der Bock hatte auch sein Weib dabei. Die Ziegenlady war nicht aggressiv, hatte aber auch diesen Geruch, den man nicht mit nach Hause nehmen möchte. Als dann an dem Ende, wo der Bock keine Hörner hat ein paar Köttel fielen, rettete ich meine Tasche und wartete weiter in sicherer Entfernung auf Lena und ihre Girls. Während des Wartens blockierten die Ziegen einen Höhleneingang, der zum Wanderpfad führt. Etliche Wanderer wurden angegriffen und flüchteten in die Ardeche. Ein schönes Schauspiel. Als dann unsere hochmotivierte Truppe Lena kam, war der Weg frei. Nur kurz musste ich den Bock noch mal bei den Hörnern packen...

Das war am letzten Julitag in diesem Sommer. Jede Niederlage schmerzt. Ich wollte heute keine Rache an der Ziege nehmen, sondern dem Tier nur noch mal tief in die Augen blicken. Vielleicht konnte man sich versöhnen. Ich setzte mich vor den Felsvorsprung, unter dem ich vor sechs Wochen noch kurzzeitig schöne Träume hatte, holte auf unserem Zeltplatz selbstgepflückte Äpfel, Birnen und Feigen aus meiner Tasche und wartete. Vorsorglich hatte ich auch ein Buch dabei, falls das Warten länger dauern sollte. Aus Erzählungen unserer Leiter und Teilnehmer sind die Ziegen bei fast jeder Tour dort aufgetaucht.

Es war ein sehr warmer Septembermontag und ich überlegte mir, wann ich eigentlich das letzte Mal in der Ardeche schwimmen war. Das war verdammt lange her. Wir hatten noch keinen eigenen Zeltplatz - das muss vor 2006 gewesen sein. Ich ging die paar Meter runter zum Fluss und blickte in die erstaunten Gesichter der vielen Kanuten. Ich sah wohl sehr merkwürdig aus mit meinem herrlich weißen Bauch und den braungebrannten Unterarmen. Ich sprang rein ins Vergnügen. Es dauerte ein wenig, bis ich mich erinnerte, wie man sich im Wasser fortbewegt. Dabei war ich früher ein Meisterschwimmer! Nach ein paar Minuten hatte ich genug. Raus auf die Felsen, die von der Sonne richtig heiß waren. Keine Ziegen in Sicht, also das Buch aufgeschlagen. Nach vielen Jahren las ich wieder den "Seewolf" von Jack London. Die alte Abenteuerschwarte fesselte mich so, dass ich gar nicht mitbekam, wie die Zeit dahinrann. Ruckzuck war es dunkel in der Schlucht. Da ich auch bei völliger Dunkelheit jeden Fußbreit im Canyon kenne, kam ich sicher nach Sauze, wo mein Drahtesel auf mich wartete. Ich versprach dem Fahrrad ein paar Tropfen Öl und dann brausten wir ins Camp. Die Ziege werde ich mir im nächsten Jahr vornehmen...

Im Lager zündete ich den Gaskocher an und wärmte "Mazedonisches Dosengemüse" auf. Das war gar nicht mal so gut. Jetzt war ich satt, aber ins Bett wollte ich noch nicht, da dachte ich mir, den Blog weiter zu führen. Am Mittwoch ist es dann bestimmt nicht mehr so lustig, wenn ich in Nimes den Justizpalast betrete. Informationen aus der Verhandlung werden wahrscheinlich am Freitag im Blog erscheinen. Wer eine Berichterstattung aus erster Hand wünscht, ist herzlich eingeladen, am Freitag ab 18.00 Uhr in LEO'S TREFF vorbeizukommen.

Grüße aus Frankreich!

Der Chef von Radio Leverkusen hat mich auch angerufen und uns viel Erfolg gewünscht. 

Ganz besonders grüße ich hier aber die Gruppe Lena aus der 1. Hälfte, die mir das Abenteuer mit den Ziegen bescherte und die Mädels von Marion und Tine, mit denen ich eine Horrornacht im Canyon erleben durfte. 

Letzte Änderung am Dienstag, 12 September 2017 20:50
   
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