Donnerstag, 14 September 2017 13:44

Verhandlung vertagt

Vor Eröffnung des Prozesses hat die Gegenseite einen weiteren Schriftsatz voller Unverschämtheiten und Halbwahrheiten eingereicht. Darauf müssen wir nun ebenfalls schriftlich reagieren - und das kostet Zeit, die wir nicht haben.

Brigitte, eine echte Leverkusenerin die seit Jahrzehnten in Nimes lebt, hat sich dankenswerterweise bereit erklärt, den Schriftsatz zu übersetzen. In diesem Pamphlet, so hat sich Brigitte ausgedrückt, wird sogar der soziale Charakter unserer Organisation angezweifelt. Als "fahrendes Volk" werden unsere Teilnehmer und Teamer bezeichnet. Den genauen Wortlaut des Schriftsatzes werden wir nach der Übersetzung, die sicherlich einige Zeit in Anspruch nimmt, hier einstellen.

Dabei hat alles gestern so gut angefangen. Nach einer angenehmen Nacht unter dem Sternenhimmel der Provence nahm ich eine warme Dusche und zog mir ein paar Sachen an, die mir für den Gerichtstermin passend erschienen: eine ordentliche Hose mit Bügelfalten, ein von der Sonne leicht ausgeblichenes, aber immer noch farbenfrohes provencalisches Hemd und ein nigelnagelneues rotes Halstuch. Damit wollte ich in der Hauptstadt unseres Departements Eindruck schinden.

Für meine Fahrt vom Zeltplatz in Saint Julien nach Nimes wählte ich die kaum befahrenen Nebenstraßen durch dichte Wälder, weite Weinfelder und große Obstplantagen. Gelegentlich tauchte mal ein verträumtes, malerisches Dorf auf. Die Weinbauern tuckerten mit ihren schmalen Traktoren durch die Felder und Pflücker warfen die abgeschnittenen Reben in die Anhänger. Das sah alles sehr friedlich aus. Im Radio dudelte der neueste Hit von Claudio Capeo. Je weiter ich nach Süden kam, änderte sich die Vegetation. Immer mehr große, schattenspendende Sonnenschirmpinien konnte man entdecken. An vielen Bauernhäusern ragten riesige Zedern in den Himmel. Eine faszinierende Landschaft.

In Nimes, dieser alten Stadt mit den vielen römischen Hinterlassenschaften genoss ich gegenüber der fast zweitausend Jahre alten Arena ein erfrischendes Kaltgetränk. Was sollte an so einem Tag, es war ausgesprochen heiß und nicht einmal das kleinste Wölkchen war zu sehen, eigentlich schiefgehen? 

Wie es weiterging, konntet ihr oben schon nachlesen. Gefrustet und äußerst wütend machte ich mich auf den Weg zurück nach Leverkusen. Meine Mission in Nimes war erledigt. 

Ich fuhr über stark befahrene Nationalstraßen nach Lyon. Im Burgund suchte ich mir dann wieder Nebenstrecken. Geisterdörfer, die nur noch aus Ruinen bestanden, durchfuhr ich zuhauf. Dieses Land hat genug Probleme mit sich selbst. Warum bricht man dann noch einen Streit vom Zaun mit uns? Seit fast zehn Jahren ist unser Platz fast unverändert. Alles ist mit den mündlichen Zusagen der Gemeinde errichtet worden. Vieles wäre ohne die intensive Unterstützung der Bürgermeisterei garnicht möglich gewesen.

In den Vogesen überraschte mich ein echtes Unwetter. Ich kam mir vor wie in einem Aquarium. Ich dachte an die vielen enttäuschten Menschen in Leverkusen, die hoffnungsvoll auf eine positive Nachricht warteten. Am Morgen sendete dann Radio Leverkusen Berichte. Die Welle der Solidarität ist groß.

Eine liebe Freundin schickte mir dies: "und wenn wir es nicht schaffen, werde ich Spenden sammeln, damit wir ein neues Camp aufmachen können".

Damit es nicht soweit kommt, kämpfen wir weiter!

 

   
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