Mittwoch, 20 September 2017 19:19

Wie geht es weiter?

Wir wissen es nicht und können von daher nichts Aussagekräftiges mitteilen. Das Ergebnis der Verhandlung am 11. Oktober in Südfrankreich muss abgewartet werden. Die erstinstanzliche Entscheidung wird voraussichtlich in der zweiten Novemberwoche bekanntgegeben. Die unterlegene Partei wird nach dem Urteilsspruch in der Regel in Revision gehen. Wann diese Verhandlung sein wird, steht in den Sternen.

Einen Plan "B"  können wir nicht aus der Tasche ziehen. Wir haben keinen. Diese Situation macht uns schwer zu schaffen. Die Jugendförderung St. Antonius ist als Verein darauf angewiesen, das Ferienlager wie geplant weiter auszurichten, weil ansonsten die Pleite droht. Die Fixkosten würden uns auffressen. Die EDF, der französische Stromversorger, knöpft uns jeden Monat über 300€ "Zählermiete" ab. Wir haben Industriestrom, damit die großen professionellen Küchengeräte, Industriewaschmaschinen, und andere Maschinen wie Schweißgeräte betrieben werden können. Die extra für uns gelegte überdimensionale Stromleitung hat 45000€ gekostet. Für die weitere Elektrifizierung nach französischer Norm haben wir nochmal 15000€ berappt. Die France Telecom zieht monatlich 40€ von unserem Konto ein. Die Taxe Fonciere, damit wird auch die Müllabfuhr bezahlt, beträgt jährlich knapp 600€. Die Stellplätze für unsere Wohnwagen, Anhänger, den Traktor und die Hallenmiete für einen Teil des Zeltlagermaterials kosten 2600€ jährlich. Am teuersten ist unser Fuhrpark. Steuer und Versicherung bekommen wir auch nicht geschenkt. Das kennen sie sicherlich. Jedes Jahr unfallfrei bedeutet weniger Prozente, aber irgendwie wird es nicht preiswerter...

So benötigen wir jährlich weit mehr als 17000€, um den Laden über Wasser zu halten. Die Instandhaltung der Anlagen auf unserem Gelände, wie die Sickergrube mit dem Verrieselungssystem, verschlingt ebenfalls viele große Geldscheine. Jede zwei Jahre erfolgt aufgrund einer behördlichen Anordnung die Generalreinigung, die 3800€ verschlingt. Der Vorstand des Vereins haftet mit seinem Privatvermögen, so dass wir uns theoretisch eine Pause leisten könnten. Das wollen wir aber nicht. Es muss einfach weitergehen!

Wir haben in diesem Jahr das 60. Jubiläum gefeiert. Unser Pastor Leo Verhülsdonk hat alle Fahrten mitgemacht, Jörg und ich sind seit 46 oder 47 Jahren mit an Bord. Da kämpft man doch mit allen zur Verfügung stehenden rechtlichen Mitteln! Aufgeben gilt nicht! Wir haben selbst die Regierungen der Bundesrepublik und der Republik Frankreich angeschrieben. Das Erzbistum Köln wurde ebenfalls um Hilfe gebeten. Keine Antworten! Hätten wir eine Bank aufgemacht und diese aufgrund von Managementfehlern vor die Wand gefahren, wäre das sicherlich kein großes Problem gewesen. Wer sich nicht mehr erinnern kann: Innerhalb einer Woche hat die Bundesregierung vierhundertmilliarden Euro lockergemacht, um den Banken weiterhin die Möglichkeit zu geben, ihren teilweise verbrecherischen Machenschaften weiterhin lustig nachgehen zu können. Für die wirklich wichtigen Sachen gibts kein Geld. Das war nur eine persönliche Anmerkung am Rande - und in der Wut geschrieben.

Während des Zeltlagers war eine Delegation unseres Vereins im Rathaus beim Gemeinderat von Saint Julien de Peyrolas. Ziel war, eine gütliche Einigung zu erzielen. Das Angebot, was man uns machte, war vollkommen inakzebtabel. Da aber in dem Gespräch wiederholt von der Gegenseite betont wurde, dass wir ein "Opfer" der Gemeinde wären, prüfen wir derzeit auch eine Schadenersatzklage gegen die Kommune. Wir lassen nichts unversucht.

Viele Kinder, die in diesem Jahr mit uns schöne Ferien erlebt haben, möchten auch im nächsten Jahr wieder an die Ardeche, weil ein Abenteuerurlaub mit dem Zeltlager St. Antonius einfach ein unvergessliches Ereignis ist. Dies bekommen wir täglich mitgeteilt - und das gibt uns auch den Antrieb und die Energie, Jahr für Jahr diese elende Plackerei auf uns zu nehmen. Unter anderem habe ich nach fast 37 Jahren einen sehr gut bezahlten Job aufgegeben, um mich mehr um das Zeltlager kümmern zu können. Allerdings wollte ich nicht täglich Stunden im Büro verbringen, um mich auf den bevorstehenden Prozess vorzubereiten. Ich habe soviel Papier vollgeschrieben und in die Welt geschickt, dass man damit eine ganze Wohnung hätte tapezieren können.

Während des Zeltlagers haben wir erfahren, dass ein Gemeinderatsmitglied von Dorfbewohnern verprügelt wurde. Grund dafür waren nach unseren Informationen Unstimmigkeiten bei verschiedenen Bauvorhaben. Nicht nur wir sind Opfer der Gemeinde. Die Bürgermeisterei macht sich in Saint Julien schwer unbeliebt und hat auch schon einige Prozesse gegen Dorfbewohner geführt und verloren. Es geht immer um Bauvorschriften, die von der Gemeinde manchmal sehr eigenartig ausgelegt werden. Das hilft uns zwar nicht weiter, ist aber ein kleiner Trost, dass wir nicht die alleinigen Leidtragenden sind. Gewählte Gemeindevertreter zu verhauen scheint im Süden nicht unüblich zu sein. Wir lehnen dies allerdings ab, aber wenn es der Brauchtumspflege dient...

Allerspätestens im Januar müssen wir die Anmeldungen für das nächste Zeltlager ausgeben.Theoretisch sollen die Busse bei HEBBEL im November bestellt werden. Das wird alles ganz eng. Was tun? Sie möchten Antworten. Wir haben keine. Faule Versprechungen machen wir nicht - das überlassen wir den Politikern.

 

   
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