Die Sarazenenzähnchen

Die „Sarazenenzähnchen“, besser bekannt als Dentelles de Montmirail, bilden die eindrucksvollen Vorberge des Mont Ventoux, dessen markanter Gipfel – heute auch ein beliebtes Wintersportgebiet – rund 30 Kilometer entfernt aufragt.

Das Gebirgsmassiv liegt auf dem Gebiet der Gemeinde Gigondas und präsentiert sich als außergewöhnliche Landschaft mit vergleichsweise sanften Höhen. Der höchste Punkt erreicht 735 Meter, doch es sind vor allem die steil aufragenden, teils senkrechten Felswände, die dem Massiv seinen unverwechselbar malerischen Charakter verleihen – eingebettet in eine duftende mediterrane Vegetation. Spaziergänger, Wanderer, Botaniker, Maler, Reiter und Radfahrer finden hier zahlreiche reizvolle Wege für ihre Erkundungen.

Vom Col de Cayron eröffnet sich ein beeindruckender Blick auf das Dentelles-Massiv. Die Felsen ragen hier bis zu 100 Meter in die Höhe und bieten Kletterern Routen in sämtlichen Schwierigkeitsgraden. Die verschiedenen Wanderungen – mit Gehzeiten zwischen etwa 3,5 und 5,5 Stunden – beginnen in Gigondas, der berühmten Weinbaugemeinde des historischen Fürstentums Orange. Die umliegenden Weinberge profitieren hier in idealer Weise von Bodenbeschaffenheit, Klima, Hanglage und Ausrichtung – beste Voraussetzungen für charaktervolle Weine.

Wir brechen zu einem herrlichen Rundweg auf, geplant ist eine Wanderung von etwa fünfeinhalb Stunden. Zunächst werden kaum Höhenmeter zurückgelegt, teilweise geht es sogar leicht bergab. Doch bald ändert sich das Bild: Der Weg führt streckenweise steil bergauf. Tief durchatmen, ausreichend trinken und hin und wieder eine kurze Pause einlegen – das ist nun angesagt. Nach mancher Anstrengung ist schließlich der höchste Punkt der Tour erreicht. Der Lohn: eine atemberaubende Aussicht und eine leichte Brise, die selbst bei Temperaturen von bis zu 40 Grad im Schatten – sofern man welchen findet – wohltuende Erfrischung schenkt.

Die Dentelles de Montmirail bestehen aus mehreren schmalen Bergkämmen, die sich wie filigrane Zacken gegen den Himmel abzeichnen. „Dentelles“ bedeutet im Französischen „Spitzen“ – wie bei gehäkelter oder geklöppelter Spitze – und bezieht sich auf die scharfen, gezackten Formen der mehr als tausend kleinen Gipfel. Geologisch handelt es sich um Kalkstein, der während der Jurazeit nahezu senkrecht aufgefaltet und im Laufe der Jahrmillionen durch Erosion zu seiner heutigen markanten Gestalt geformt wurde. Die höchste Erhebung ist die Crête de Saint-Amand mit 734 Metern.

Von einem Felskamm aus eröffnet sich schließlich der Blick auf die Dentelles de Montmirail in ihrer ganzen Schönheit – ein Moment, der unbedingt fotografisch festgehalten werden möchte. Der Name wird im Deutschen gelegentlich missverständlich als „Zähnchen“ interpretiert, da „dent“ an „Zahn“ erinnert. Tatsächlich jedoch bedeutet „dentelle“ ausschließlich „Spitze“ im textilen Sinn. Die Bezeichnung spielt auf das gezackte Erscheinungsbild und die filigrane Struktur der Felsen an, nicht auf Zähne.

Die sich über rund acht Kilometer erstreckenden Dentelles de Montmirail zählen heute zu den beliebtesten Zielen für Wanderer und Felskletterer gleichermaßen – eine Landschaft, die sportliche Herausforderung und landschaftliche Schönheit auf einzigartige Weise verbindet.